Eine Brücke in den Arbeitsmarkt - Mai 2012

Mit dem Projekt JobGate geht die Bundesagentur für Arbeit neue Wege in Sachen Mobilität – bescheinigt wird das im Ausland Gelernte im Europass

Es begann eigentlich mit einem Zufall. Als Carolin Kleinow (23) und ihr Freund bei der Arbeitsagentur im mecklenburgischen Bad Doberan saßen, entdeckten die beiden ein Plakat, das für einen Lernaufenthalt im Ausland warb. Die Neugier war geweckt, die Grafikerin und der Game-Designer bewarben sich auf das Angebot – zumindest für Carolin Kleinow mit Erfolg. Sie ging mit Hilfe des Programms JobGate für sechs Wochen ins walisische Wrexham. Mit vielen neuen Eindrücken und dem Europass kehrte sie zurück ... und startete auch hier gleich durch.

„Wir hatten gerade unsere Ausbildung an der Design Schule Schwerin beendet und suchten einen Job“, erinnert sich Carolin Kleinow. „Als Berufseinsteiger ist das in unserem Metier nicht einfach, daher haben wir gedacht: Nutzen wir doch die Chance, um erst einmal ins Ausland zu gehen und dort Erfahrungen zu sammeln“. Während ihr Freund schon länger mit diesem Gedanken gespielt hatte, war die Idee für Kleinow selbst neu. Umso überraschter war sie, als sie im Oktober 2011 zum Vorstellungsgespräch bei der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit eingeladen wurde.

Danach ging alles sehr schnell. Bereits Ende des Monats startete die Grafik-Designerin ihre Reise nach Wales, wo sie für vier Wochen in einer Werbeagentur arbeitete. Eine Tätigkeit, die ihr nicht nur viel Spaß gemacht hat, sondern ihr sowohl fachlich als auch menschlich völlig neue Horizonte eröffnete. Dazu Carolin Kleinow: „Ich glaube, am wichtigsten war der Aufenthalt für mein Selbstvertrauen. Es war das erste Mal, dass ich für eine solch lange Zeit ganz auf mich alleine gestellt war, noch dazu im Ausland. An derartigen Erfahrungen kann man ungemein wachsen, gerade auch weil man lernt, sich in andere Denkweisen zu versetzen und viele Dinge einmal anders zu betrachten.“

Mit JobGate ins europäische Ausland

Wie dies in der Praxis im einzelnen aussehen kann, weiß Andrea Barg, Koordinatorin für EUProgramme in der ZAV Bonn. Als Ansprechpartnerin für den internationalen Arbeitsmarkt nutzt sie die Leonardo-Mobilitätsprojekte, um die Mobilität und damit zugleich die Chancen ihrer Kunden zu steigern. Eine wichtige Hilfe ist dabei das Projekt JobGate, mit dem die ZAV über das Programm Leonardo da Vinci seit 2004 Interessierten betriebliche Praktika und Sprachkurse in Großbritannien, Irland, Frankreich und Spanien ermöglicht und sie so bei der Arbeitssuche in Deutschland unterstützt. Teilnehmen kann jede Person, die bei einer Agentur für Arbeit oder einem Jobcenter arbeitslos gemeldet ist – vorausgesetzt, sie verfügt über eine abgeschlossene Berufsausbildung, einen Studienabschluss oder mindestens zwei Jahre Berufserfahrung. Wichtig sind zudem Sprachkenntnisse, die aber auch vor dem eigentlichen Praktikum im Zielland selbst aufgefrischt werden können. Auch Carolin Kleinow hat vor ihrer Arbeit in der Werbeagentur vor Ort zwei Wochen lang intensiv ihr Englisch „aufgepeppt“.

„Die Grundidee von JobGate ist es, eine enge Verzahnung von beruflicher Bildung und Arbeitsmarktbedürfnissen zu schaffen“, unterstreicht Andrea Barg. Dazu arbeitet die ZAV eng mit ausländischen Partnern zusammen, die sich vor Ort um Unterkunft, Sprachkurs und Praktikum kümmern. Dabei geht es auch darum, die Aufgabenbeschreibung der Praktika mit den Betrieben sowie der Teilnehmerin oder dem Teilnehmer durchzusprechen und das Ergebnis in einer Lernvereinbarung zu dokumentieren. Im Anschluss an den Auslandsaufenthalt wird allen Teilnehmenden ein Europass Mobilität ausgestellt, in dem die Inhalte und Aufgaben der Maßnahme entsprechend zertifiziert sind.

Andrea Barg hält das für wichtig, denn das Dokument kann anschließend gewinnbringend bei Bewerbungen eingesetzt werden. „Letztlich geht es vor allem darum, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer möglichst schnell einen Job erlangen“, betont sie. Ein erfolgreicher Ansatz, denn 80 Prozent der Rückkehrenden finden anschließend wieder den Weg in den Arbeitsmarkt.

Neuer Schwung für den heimischen Arbeitsmarkt 

Ähnlich verlief die Entwicklung auch bei Carolin Kleinow. Als sie sich im Anschluss an die Zeit in Wales auf entsprechende Stellen in der Heimat bewarb, fand die Erfolgsgeschichte ihre Fortsetzung. So hatte sie gleich mehrere Vorstellungsgespräche und war erstaunt, dass sie bei ihren Bewerbungen immer wieder auf den Europass und die Zeit im Ausland angesprochen wurde. In dem Unternehmen, für das sie sich schließlich entschied, spielten darüber hinaus auch ihre guten Englischkenntnisse eine wichtige Rolle. So arbeitet Kleinow heute als Mediengestalterin und Grafik-Designerin in einer Werbetechnikfirma in Rostock. Dabei hat sie oft mit internationalen Kunden zu tun und kann die erworbene Sprachkompetenz bestens zum Einsatz bringen.

Auch den Europass hat sie bei alledem zu schätzen gelernt, hat er doch nach eigener Einschätzung ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt deutlich verbessert. Dazu die 23-Jährige: „Ich fand es sehr hilfreich, ein Dokument in der Hand zu haben, in dem steht, was man alles kann und was man bereits gemacht hat. Der Europass ist für mich etwas, das ich gerne vorlege und das überall anerkannt wird. Nicht zuletzt auch, weil er offiziellen Charakter hat. Das unterscheidet ihn für mich beispielsweise von einem Arbeitszeugnis.“

Auch über die formelle Ebene hinaus hat die Zeit im Ausland Spuren hinterlassen. Hatte Kleinow anfangs noch etwas Angst, so war die Zeit am Ende „viel zu schnell vorbei“. Geblieben ist die Lust, irgendwann vielleicht noch einmal ins Ausland zu gehen, um dort zu arbeiten. Und dann klappt es vielleicht ja auch gemeinsam mit ihrem Freund.