Erste Hilfe für den Pflegebereich - August 2015

Die DEKRA Akademie bringt deutsche Kliniken und Pflegekräfte aus dem Ausland zusammen – die Bewerbung erfolgt mit dem Europass Lebenslauf

Gerade im Gesundheitswesen stellt sich schon heute die Frage, woher in Zukunft die Auszubildenden und Fachkräfte kommen. Davon ausgehend hat die DEKRA Akademie GmbH einen interessanten Ansatz entwickelt: Die Ausbildung für Berufe der Krankenund Altenpflege erfolgt im Ausland, zum Beispiel in den Ländern Osteuropas. Dabei richtet sich der Blick stets auch auf den deutschen Markt. Obligatorisch bei der Bewerbung: der Europass Lebenslauf.

„Unsere Idee ist es, im Ausland nach deutschen Curricula auszubilden und den Auszubildenden die Möglichkeit zu geben, sowohl im Herkunftsland als auch in Deutschland zu arbeiten“, sagt Thomas Bastian, Leiter des Bereiches Gesundheit und Sozialwesen bei der DEKRA Akademie. Dazu wird das Curriculum so abgeglichen, dass der Ausbildungsmarkt des jeweiligen Landes mit dem Fachkräftebedarf in Deutschland zusammengebracht wird. Ein Ansatz, von dem laut Bastian letztlich alle Beteiligten profitieren.

Begonnen hat die Geschichte mit einem Pilotprojekt in Ungarn im Jahr 2013. Nachdem dieses in Kooperation mit dortigen Krankenpflegeschulen auf den Weg gebracht worden war, hatte die DEKRA Akademie Ende 2014 die Gelegenheit, eine lokale Stiftung zu übernehmen, in deren Rahmen sie heute selbst sechs Krankenpflegeschulen betreibt. Mit weiteren arbeitet sie eng zusammen. Ähnlich ist die Situation in Serbien, wo – wie in Ungarn – bereits vor dem Projektstart gute persönliche Kontakte vorhanden waren. „Dort gibt es Orte, an denen pro Jahr 400 Krankenschwestern ausgebildet werden, es gibt aber nur einen Bedarf an 25“, beschreibt Bastian. Die Lösung, gemeinsam für den deutschen Markt auszubilden, lag hier folglich nahe.

Dazu wurde eigens ein Fortbildungsmodul konzipiert, das die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Aufgabe vorbereitet. Bastian betont, man wolle prinzipiell keine kurzfristigen Lösungen. Vielmehr seien alle Angebote auf Nachhaltigkeit und eine hohe Qualität – zum Beispiel in Sachen Sprachkompetenz – angelegt.

Während die Auszubildung in Ungarn drei Jahre dauert und exakt den gleichen Praxisanteil wie in Deutschland aufweist, steht in Serbien die Weiterbildung im Fokus. Hier startete die DEKRA Akademie im November 2014 ein Projekt mit bereits graduierten Pflegekräften, die vor allem mit Blick auf die Unterschiede zwischen deutschem und serbischem Curriculum geschult werden. Im Anschluss an die 12 bis 16 Monate dauernde Qualifizierungsmaßnahme kommen die Pflegerinnen und Pfleger zur Fachkenntnisprüfung nach Deutschland.

Bei der Bewerbung ist der Europass Lebenslauf verbindlich

Egal, ob für die dreijährige Ausbildung in Ungarn oder das Fortbildungsmodul in Serbien, im Bewerbungsverfahren hat die DEKRA Akademie die Verwendung des Europass Lebenslaufes als verbindlich eingeführt. Thomas Bastian begründet das wie folgt: „Es gibt unterschiedliche Ansprüche an Bewerbungen. Um den Prozess im Sinne des Qualitätsmanagements zu steuern, brauchen wir ein einheitliches Level, das deutschen Standards entspricht. Hier sehe ich den Europass als zukunftsweisend in internationalen Arbeitsmärkten.“

Der Nutzen des Europass Lebenslaufes liegt seiner Meinung nach vor allem darin, dass er den Trägern der jeweiligen Maßnahme die Personalauswahl erheblich erleichtere. Wenn diese beispielsweise eine Mappe mit 80 oder 120 Bewerbungen erhielten, sei der Europass Lebenslauf extrem hilfreich, denn er ermögliche ein rasches Scanning der Unterlagen und schaffe somit schnell einen guten Überblick. Aus diesen Gründen setze die DEKRA Akademie das Dokument sehr umfassend ein, so Bastian.

Ungarische Fachkräfte für den REHA-Bereich

Wie osteuropäische Fachkräfte und Kliniken in Deutschland zukünftig voneinander profitieren könnten, zeigt das Beispiel der MediClin-Gruppe, die bundesweit 49 Einrichtungen betreibt, überwiegend REHA-Kliniken. Noch bevor die ersten Absolventinnen und Absolventen der Ausbildungsinitiative in diesem Jahr nach Deutschland kommen, hat das Unternehmen im Mai 2014 gemeinsam mit der DEKRA Akademie ein Projekt aufgesetzt, um Fachkräfte für den Neurologiebereich ihrer Kliniken zu gewinnen. „Das Projekt lief sehr gut, weil wir auf diese Art und Weise qualifiziertes Personal mit zum Teil sehr spezifischen Anforderungsprofilen gefunden haben“, bilanziert Carina Heitmann, Referentin für Personalgewinnung und -marketing bei MediClin. Auch dabei habe sich der Europass Lebenslauf als sehr sinnvoll erwiesen, um die Qualifikation der Bewerberinnen und Bewerber erfassen und vergleichen zu können. 

„Für uns als Klinik ist ein derartiger Prozess optimal, weil wir einen Partner haben, der uns sehr viel von den zeitaufwändigen administrativen Tätigkeiten abnimmt und sich zudem im Thema sehr gut auskennt“, bekräftigt Heitmann. Ohne die Kräfte aus dem Ausland sei es kaum noch möglich, den Bedarf an Fachkräften abzudecken und durch qualifizierte und motivierte Mitarbeiter die Qualität der medizinischen Versorgung zu sichern. Neben fachlichen Aspekten spielten dabei auch die Bereitschaft und die Fähigkeit, eine Sprache zu lernen, eine große Rolle. Der Erfolg derartiger Maßnahmen stehe und falle mit den Sprachkenntnissen, glaubt die Personalexpertin.

Von Budapest nach Soltau

Agnes Gabriella Molnar ist eine der Fachkräfte, die über die DEKRA Akademie nach Deutschland kamen. Seit Januar 2015 arbeitet sie in einer Klinik der MediClin-Gruppe im niedersächsischen Soltau. Zuvor hatte die 25-Jährige in Ungarn ihre Ausbildung zur Pflegerin abgeschlossen und ein knappes Jahr in einer Budapester Klinik gearbeitet. Molnar wörtlich: „Für mich war es beruflich und privat eine große Chance, etwas Neues kennenzulernen, auch wenn mir der Abschied von meiner Heimatstadt nicht leicht gefallen ist. Beworben habe ich mich mit dem Europass Lebenslauf. Das war am Anfang ungewohnt für mich, hat mir dann aber sehr geholfen, um meine Fähigkeiten und Kompetenzen darzustellen und in eine entsprechende Form zu bringen.“

Doch nicht nur Molnar, auch Grazyna Lorenzen und Ute Gontares, die den Pflegedienst in Soltau leiten, freuen sich über die Entwicklung. „Wir sind froh, dass wir Frau Molnar als Mitarbeiterin dazugewonnen haben. Sie ist jetzt schon eine Bereicherung für unser Team und trägt dazu bei, dass die Qualität unseres Pflegeangebotes auch in Zukunft hoch sein wird. Ich sehe darüber hinaus gute Perspektiven, dass sie sich bei uns weiterentwickeln und noch mehr Verantwortung übernehmen kann, zumal sie noch sehr jung ist.“

Gute Perspektiven also für Agnes Gabriella Molnar, ebenso wie für das gesamte Projekt, von dessen Erfolg Thomas Bastian absolut überzeugt ist. Er unterstreicht: „Die Nachfrage nach unseren aktuellen Angeboten ist überwältigend. In Serbien beispielsweise starten allein 2015 240 Bewerberinnen und Bewerber pro Halbjahr in die Fortbildung. Auch in Ungarn und anderen Ländern wie Bosnien und Albanien haben wir Riesenzuläufe.“

Vor diesem Hintergrund ist er sicher, dass man das Projekt in den nächsten Jahren weiter ausbauen und zunehmend auch außereuropäische Länder mit in den Fokus nehmen könne. Dabei müssten die Anforderungen noch einmal spezifisch für die jeweiligen Länder betrachtet und herunter gebrochen werden. Das aber sei noch Zukunftsmusik, denn zunächst gelte, die Projekte in Ländern wie Ungarn und Serbien zu fördern und nach und nach als Fachkräftepool für den deutschen Gesundheitsmarkt zu etablieren.