Faszination Irland - November 2016

Jenni Useldinger ging während ihrer Ausbildung zur Kinderpflegerin für drei Wochen nach Irland – Es war der Beginn einer ganz besonderen Geschichte

Wir erreichen Jenni Useldinger in Carlow im Südosten Irlands. Die heute 19-Jährige ist gerade fest hierher gezogen, sie hat ihr Studium an einem örtlichen College begonnen und gemeinsam mit ihrem Freund eine neue Wohnung gefunden. Hätte ihr das Anfang 2014 jemand erzählt, sie hätte es selbst wohl kaum für möglich gehalten. Damals hatte Jenni Useldinger entschieden, für drei Wochen nach Irland zu gehen, um ein wenig Auslands- und Praxiserfahrung zu sammeln. Ein Schritt mit weitreichenden Folgen ...

„Eigentlich habe ich das nur gemacht, weil meine Freundinnen es auch getan haben“, erzählt Jenni Useldinger heute. Im Februar 2014 entschloss sie sich, drei Wochen lang an der Suantrai Montessori School in Carlow zu hospitieren – einer Einrichtung, in der Vorschulkinder nach der Montessori-Methode betreut werden. Der Aufenthalt war Teil ihrer vollzeitschulischen Ausbildung am Staatlichen Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Regensburger Land, ihre Lernergebnisse wurden anschließend im Europass Mobilität dokumentiert. Mittlerweile hat Jenni Useldinger das Dokument schon dreimal erhalten, denn im Oktober 2014 folgten weitere drei Wochen in Carlow, nach Abschluss der Ausbildung ging sie mit dem EU-Bildungsprogramm Erasmus+ sogar für zehn Monate auf die grüne Insel.

Für Sabine Siedentop, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Sibylle Rößler Mobilitätsprojekte am BSZ Regensburger Land koordiniert und durchführt, ist Useldingers Geschichte ein Paradebeispiel dafür, was ein Auslandsaufenthalt bringen und was daraus entstehen kann. Am BSZ haben sowohl die Projekte als auch der Europass eine lange Geschichte. So werden im Bereich Kinderpflege sowie im Bereich Ernährung und Versorgung bereits seit 2008 Auslandspraktika angeboten, Zielländer sind Irland und Norwegen. Bei den Praktika geht es darum, den fachpraktischen Ausbildungsteil aufzustocken, also den Schülerinnen und Schülern Praxiserfahrungen im Ausland zu ermöglichen. „In beiden Ländern gibt es ein Netz von Betrieben, in die wir unsere Azubis schicken“, so Siedentop.

Eine beeindruckende Erfolgsquote

Die Erfolgsquote der vom BSZ vermittelten Auslandspraktika ist außerordentlich hoch. Im Jahr 2015 nahmen 18 Prozent der Schülerinnen und Schüler aus der Kinderpflege an den Programmen teil, im Bereich Ernährung und Versorgung waren es sogar 25 Prozent. Das zeige, wie gut das Angebot angenommen wird, so Sabine Siedentop. Sie ergänzt: „Für unsere Schule sind die Auslandsprogramme eine echte Erfolgsgeschichte. Die Internationalität ist ein wichtiger Baustein unseres Angebotes geworden, weil es uns als Schule attraktiv macht und auch die Schülerinnen und Schüler für Europa und den europäischen Gedanken öffnet“. Diese erleben oftmals eine völlig neue Wertschätzung für ihre Ausbildung. Sie machen wichtige Praxiserfahrungen, an denen sie auch als Persönlichkeit wachsen.

Jenni Useldinger ist das beste Beispiel dafür. Insbesondere der zehnmonatige Aufenthalt nach Abschluss der Ausbildung hat sie beeindruckt: „Ich wusste nicht, wie das für eine solch lange Zeit funktionieren würde. Das war eine echte Herausforderung, weil es schon etwas anderes ist als ein dreiwöchtiger Schnupperkurs!“ Großen Einfluss auf ihre Entscheidung hatte es, dass die Leiterin der Montessori-Schule explizit nachfragte, ob Useldinger noch einmal und diesmal für länger nach Irland kommen wolle. Und dann war da ja noch die Liebe, denn Jenni Useldinger hatte sich nicht nur in das Land, sondern auch in einen jungen Iren verliebt. Schließlich reiste sie zum dritten Mal nach Carlow und das, obwohl sie daheim in Regensburg schon einen festen Arbeitsplatz als Kinderpflegerin gehabt hätte.

Feierlicher Rahmen für die Europass-Übergabe

„Gerade der längere Aufenthalt ist natürlich eine Riesenchance, um wirklich zu spüren, wie es ist, im Ausland zu leben und zu arbeiten“, bekräftigt Sabine Siedentop. Seit Erasmus+ diese Möglichkeit bietet, nutzen einige „fertige Azubis“ die Chance, in dem Jahr nach ihrer Ausbildung für mehr als drei Wochen in ein anderes Land zu gehen. Auch sie erhalten wie die anderen Praktikantinnen und Praktikanten anschließend den Europass Mobilität. Mit dem Dokument, der die gewonnen Erfahrungen und Kompetenzen aussagekräftig nachweist können sie zeigen, was sie während ihres Auslandsaufenthaltes gelernt haben. War die Europass-Verleihung am BSZ Regensburger Land bislang stets in die Abschlussveranstaltung eines Jahrgangs integriert worden, so verlieh Siedentop dem Anlass 2015 erstmals einen eigenen, feierlichen Rahmen. Dazu wurden sowohl Europa-Politiker aus der Region als auch Vertreterinnen und Vertreter vom Landratsamt und der Stadt Regensburg eingeladen. Die Veranstaltung war äußerst erfolgreich und soll künftig Jahr für Jahr in ähnlicher Form realisiert werden - für Sabine Siedentop ist das ein Beleg für die gewachsene Bedeutung des Europass.

Doch zurück zu Jenni Useldinger. Sie erzählt, dass die Menschen in Irland ihr das Ankommen wirklich einfach gemacht hätten. Der entspannte Umgang im Alltag und die angenehme Arbeitsatmosphäre in ihrer Einrichung, in der sie auch autistische Kinder und Kinder mit Down-Syndrom betreute, haben ihr sehr geholfen, ihren Platz in der fremden Umgebung zu finden. Mittlerweile ist vieles hier für sie Alltag geworden. Und beruflich ist sie gerade dabei, den nächsten Schritt zu gehen: von der Kinderpflegerin zur Pädagogin.

Weitere Infos zum Europass im Internet unter www.europass-info.de.