In Europa lernen - April 2017

Die VHS-Olching macht sich stark für europäische Projekte in der Erwachsenenbildung. Davon profitieren die Menschen vor Ort.

„Europa ist mir wichtig“, bekräftigt Hélène Sajons, 1. Vorsitzende der Volkshochschule Olching. Die gebürtige Belgierin, seit 1974 als Dozentin an der VHS Olching tätig und seit 1998 Vorsitzende der VHS, organisiert dort seit 2003 europäische Projekte aus Überzeugung.

Anfangs habe bei den Projekten der Bezug zu Fremdsprachen und zur Fremdsprachendidaktik im Mittelpunkt gestanden, so Sajons. Inzwischen richte sich der Fokus zunehmend auf den Erwerb interkultureller Kompetenzen – unter anderem auch angesichts der aktuellen Zufluchtswelle, die die Volkshochschulen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Hinblick auf Integrationsmaßnahmen vor ganz neue Herausforderungen stellt. Hier setzt das Erasmus+-Mobilitätsprojekt „KIM: Kreativ – integrativ – multikulturell“ an, das noch bis Ende Mai 2017 läuft. Im Rahmen von KIM nehmen insgesamt 30 Dozentinnen und Dozenten verschiedener Fachbereiche wie Sprachen, IT, Gesundheit und Kunst sowie Mitarbeitende aus Verwaltung und Vorstand an ausgewählten Fortbildungen in verschiedenen europäischen Ländern teil.

„Unsere Volkshochschule bemüht sich intensiv um eine vielseitige Unterstützung der ankommenden Personen. Wir nutzen dabei die Möglichkeit, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Fortbildungen im europäischen Ausland zu entsenden, um bereits vorhandene sprachliche und multikulturelle Kompetenzen aufzufrischen und auszubauen. Zu den Schlüsselkompetenzen, die auf diesem Wege erworben werden sollen, zählen aber nicht nur fremdsprachliche Kompetenz, sondern vor allem die Fähigkeit, mit dem Fremden umzugehen.“ Und das, so Sajons, lerne man eben am besten in einer fremden Umgebung.

Positive Wirkung mit Multiplikatoreffekt

Die Fortbildungen führten die Teilnehmenden nach Irland, Italien, Österreich, Spanien, Wales und Zypern. Sie ermöglichten multikulturelle Begegnungen und schärften so das Bewusstsein für den interkulturellen Dialog: „Alle Teilnehmenden bestätigten, wie fruchtbar die Fortbildungen im Hinblick auf das Verständnis von kulturellen Unterschieden und Traditionen waren“, berichtet Sajons. Auch fachlich stellten die Workshops im Ausland eine Bereicherung dar: „Das absolute Highlight waren die gut organisierten Kurse vor Ort, wir hatten das Glück, hier auf tolle, kreative und inspirierende Künstler zu treffen, uns dabei auch neue, direkt übertragbare Techniken anzueignen“, so Ricarda Wagner, die an einer Fortbildung beim „Associazione Artistia Culturale A Rocca“ in Sizilien teilnahm. Das Mobilitätsprojekt KIM ist für die VHS auch ganz lokal betrachtet ein Erfolgsprojekt: Denn von den erworbenen fachlichen und interkulturellen Kompetenzen der VHS-Mitarbeitenden profitieren wiederum die Kurseilnehmerinnen und -teilnehmer der VHS – also die Menschen vor Ort.

Das Lehr- und Verwaltungspersonal habe viel an Qualität und Vielseitigkeit gewonnen, fasst Sajons die Ergebnisse zusammen, und sei nun zum Beispiel für den Umgang mit multikulturellen Gruppen, Flüchtlingen oder benachteiligten Gruppen besser gerüstet. Insofern seien die Fortbildungen ein bereicherndes Mittel zur Qualitätssicherung.

Von der Lernvereinbarung zum Europass Mobilität

Im Vorfeld der Auslands-Fortbildungen klärte Sajons mit den Bewerberinnen und Bewerbern, mit welchen Zielen sie teilnehmen wollten und welchen Bezug die Kurse zur VHS haben. Daraufhin wurde eine Lernvereinbarung geschlossen, die formulierte, was die Teilnehmenden des Projekts KIM am Ende der Mobilitäten für Kompetenzen erworben haben sollen. Um die erreichten Lernergebnisse zu dokumentieren, verwendet die VHS Olching den Europass Mobilität. Entscheidend dafür sei es gewesen, dass das Dokument europaweit anerkannt ist, einen hohen Wiedererkennbarkeitswert hat und sehr genau beschreibt, was jemand nach Abschluss eines Lernaufenthalts erreicht hat und in der Lage ist zu tun. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den Europass Mobilität verliehen bekamen, waren sehr stolz“, berichtet Sajons. Zu Recht, findet sie, denn das Dokument sei ein wertvolles und aussagekräftiges Dokument für alle, die in Europa lernen.