Internationalität auf allen Ebenen - Mai 2013

Die Heraeus-Holding in Hanau fördert seit Jahren die Mobilität ihrer Auszubildenden – mit Hilfe des Europass

Beim international agierenden und in Hanau bei Frankfurt beheimateten Edelmetall- und Technologiekonzern Heraeus ist Mobilität seit fast zehn Jahren ein fester Bestandteil der Ausbildung. Dabei spielt der Europass seit Beginn eine wichtige Rolle, vor allem der Europass Mobilität und der Europass Lebenslauf. Begonnen hat die Mobilitätsförderung in der Ausbildung im Jahr 2004, als Doris Lenhart, Projektleiterin Ausbildung bei Heraeus, auf einer Tagung erstmals von der Möglichkeit zur Teilnahme an LEONARDO DA VINCI-Mobilitätsprojekten erfuhr.

„Anfangs war es nicht leicht, unsere ausländischen Gesellschaften von der dualen Ausbildung und den Mobilitätsprojekten zu überzeugen“, erzählt Lenhart, die die Idee der konzernweiten europäischen Mobilität 2004 angestoßen hat. Die ersten Auszubildenden, die über LEONARDO DA VINCI ins Ausland gingen, kamen aus den kaufmännischen Berufen. „In diesem Bereich war es zunächst in punkto Einsatzmöglichkeiten und Sprachkenntnisse leichter, den Austausch in Gang zu setzen“, so Lenhart. Heute nehmen jedoch auch zunehmend mehr Auszubildende aus Metallberufen wie Industriemechaniker/-innen, Mechatroniker/-innen, Verfahrensmechaniker/-innen oder Chemielaboranten und - laborantinnen an den Programmen teil.

Der Austausch findet im zweiten Ausbildungsjahr statt – dann gehen die in der Regel 18- bis 22-jährigen Azubis für bis zu acht Wochen in eins der Heraeus-Unternehmen in England, Belgien, Österreich, den Niederlanden, Frankreich, Polen oder der Türkei. Jährlich haben so rund 30 Prozent eines Ausbildungsjahrgangs die Möglichkeit, Erfahrungen im Rahmen der europäischen Mobilität zu sammeln und diese über den Europass Mobilität zu dokumentieren.

Die Nachfrage nach dem Angebot ist groß, doch auch das Unternehmen profitiert von dem Ansatz. Dazu Lenhart: „Als international agierender Konzern legen wir großen Wert darauf, dass unsere Auszubildenden interkulturelle Kompetenzen erwerben und lernen, wie sie mit ausländischen Partnern umgehen. Ich denke, dass beispielsweise die Fähigkeit, sich in ein fremdes Team zu integrieren, auch bei den übernehmenden Abteilungen in unserem Haus von großer Bedeutung ist“. Für die Auszubildenden ist der Mobilitätsaufenthalt in jedem Fall eine wichtige Zusatzqualifikation, auch weil er in den einzelnen Bereichen des Unternehmens mittlerweile bekannt und anerkannt ist. Zugleich wachsen die jungen Leute persönlich an den Erfahrungen, die sie in den ausländischen Gesellschaften machen. Dies werde immer wieder im Rahmen der Reflexionsgespräche im Anschluss an die Maßnahme deutlich, so Lenhart.

Der Mann der ersten Stunde

Dominik Schneider, heute Projektleiter im Bereich Technik in Hanau, war 2004 der erste Teilnehmer einer Mobilitätsmaßnahme bei Heraeus. Er ging für acht Wochen ins englische Cambridge, was damals sowohl für Heraeus als auch für die Auszubildenden etwas völlig Neues war. Schneider erinnert sich: „Wir waren alle zunächst etwas zögerlich. Man konnte ja keinen fragen, der es schon einmal gemacht hatte, wusste also nicht, was auf einen zukommen würde.“ Er war damals 17 Jahre alt und bis dahin noch nicht eigenständig auf längeren Reisen oder Aufenthalten außerhalb Deutschlands gewesen. Insofern fühlte er sich schon ein wenig „ins kalte Wasser geworfen“ und musste sich erst einmal „frei schwimmen“. Mit Erfolg, denn im Nachhinein hat ihm das „Abenteuer England“ Lust auf mehr gemacht. Nach der Ausbildung absolvierte er eine Weiterbildung zum Technischen Fachwirt, die wiederum Basis für sein Fernstudium war. 2012 war Schneider dann über Heraeus für neun Monate in den USA.

Schon 2004 hat er den Europass Mobilität genutzt, wenngleich dieser damals noch nicht die Bedeutung hatte wie heute. „Jeder, der bei uns aktuell an einem Mobilitätsaufenthalt teilnimmt, erhält den Europass Mobilität, in dem die erworbenen Kompetenzen dokumentiert werden“, unterstreicht Doris Lenhart. Dies sei vor allem deshalb wichtig, weil gerade ausländischen Partnern das Einschätzen dessen, was die Auszubildenden können und was für die duale Ausbildung von Bedeutung ist, in der Regel eher schwer falle. Heraeus bilde für den eigenen Bedarf aus – das heißt, die meisten der Auszubildenden bewerben sich nach Abschluss der Ausbildung intern. Dabei liegt der Europass Mobilität stets bei. Darüber hinaus empfiehlt Lenhart den jungen Leuten, sich mit dem Europass Lebenslauf zu bewerben, bei den Kaufleuten sei dies sogar obligatorisch.

Vorteile für das weitere Berufsleben

Ein weiteres Beispiel ist Kira Link, die als Industriekauffrau im zweiten Ausbildungsjahr bei Heraeus arbeitet und 2012 für acht Wochen im britischen Newbury in der Nähe von Oxford war. Dort konnte die 22-Jährige in das Team von Heraeus Kulzer „hineinschnuppern“. Auch wenn dabei fachlich vieles wie im heimischen Hanau war, hat der Aufenthalt ihr „einen Kick“ gegeben. Link betont: „Es waren eine Menge neuer Eindrücke, zudem musste ich mich in der Arbeitswelt und der fremden Sprache erst einmal zurechtfinden. Als ich diese Hürden gemeistert hatte, war ich schon ein wenig stolz auf mich.“

Kira Link ist überzeugt, dass der Aufenthalt in England ihre Ausbildung erheblich bereichert hat. „Auslandsaufenthalte werden immer gefragter, viele Unternehmen fordern das regelrecht, wenn man sich dort bewirbt“, weiß sie. Daher glaubt sie, gegenüber anderen Bewerberinnen und Bewerbern mit einer derartigen Erfahrung im Vorteil zu sein. Dokumentiert ist dies im Europass, den sie als große Unterstützung empfindet: „Der Europass Mobilität belegt, dass ich in England gearbeitet habe und welche fachlichen und persönlichen Kompetenzen ich dabei erworben habe. Das hilft im Übrigen auch dabei, das Ganze selbst noch einmal zu reflektieren.“

Wie Schneider ist auch Link froh darüber, dass Heraeus im Rahmen der Ausbildung solche Möglichkeiten bietet. Beide würden es anderen Auszubildenden unbedingt empfehlen, solche Möglichkeiten zu nutzen. Das sieht Doris Lenhart genauso. Sie wünscht sich, dass noch mehr Unternehmen die Vorteile der Mobilitäsprogramme erkennen und nutzen, nicht zuletzt, weil es eine hervorragende Möglichkeit sei, um die Auszubildenden weiter zu entwickeln und ihnen Kompetenzen zu vermitteln, die nur auf diesem Wege zu erwerben sind.

Innovation wird groß geschrieben

Mit Mobilität in der Ausbildung gehen die Hanauer neue Wege, passend zu ihrem Selbstverständnis als innovatives Unternehmen. Heraeus hat weltweit mehr als 5.900 Patente, es arbeiten über 600 Forschungsmitarbeiterinnen und –mitarbeiter an neuen Ideen und Lösungen. Die Ausbildung hat bei Heraeus einen sehr hohen Stellenwert. Insofern sei auch die Entsendung ins Ausland eine gute Investition in die Zukunft der Auszubildenden und des Unternehmens, so Lenhart.

Dieses Engagement wurde bereits mehrfach ausgezeichnet: Die Mobilitätsprojekte von Heraeus erhielten zweimal eine besondere Anerkennung für ihre Qualität und Nachhaltigkeit, 2011 wurde dem Unternehmen zudem das Mobilitätszertifikat verliehen, das für vier Jahre gilt und eine Vielzahl von Vorteilen bei der Programmabwicklung mit sich bringt. Im Sommer 2013 sollen nun erstmals Auszubildende aus England nach Hanau kommen. Dann werden die eigenen Nachwuchskräfte eigens einen Workshop vorbereiten, um die Gäste von der Insel thematisch einzuführen.