Nächster Halt: Auslandspraktikum

Bei den Verkehrsbetrieben Dresden absolvieren Auszubildende einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland und erhalten den Europass Mobilität

Bereits seit 2007 bieten die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) ihren Azubis zur „Fachkraft im Fahrbetrieb“ ein Auslandspraktikum an, der internationale Lernaufenthalt wurde sogar fest im Berufsausbildungsvertrag integriert. Die Praktika erfolgen im Austausch mit den Verkehrsbetrieben und der Verkehrsschule in der tschechischen Hauptstadt Prag – für die sächsichen Auszubildenden eine gute Gelegenheit, ihren Horizont zu erweitern und neue Kompetenzen zu erwerben. Gefördert werden diese durch das europäische Programm Erasmus+ und dokumentiert im Europass Mobilität, den die Azubis am Ende ihrer Ausbildung erhalten.

Stephanie Wolf und Aiko Liebert sehen im Europass Mobilität eine Wertschätzung für das, was sie während ihrer Zeit im Ausland gelernt und geleistet haben. Beide absolvieren im dritten Lehrjahr eine Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb bei den DVB. Im November 2017 verbrachten sie drei Wochen ihrer Ausbildungszeit in Prag, wo sie sowohl in der Verkehrsschule als auch im Betrieb hospitierten.

«Am Anfang hatte ich schon ein wenig Angst, wie ich beispielsweise mit der Sprache zurechtkommen würde», erzählt Stephanie Wolf, die zwar während ihrer Mittelschulzeit schon einmal in England gewesen war, mit dem Auslandspraktikum ansonsten aber Neuland betrat. «Ich habe versucht, offen an die Sache heranzugehen und mich nicht zu verstecken», berichtet die heute 26-Jährige, die glaubt, an den Herausforderungen gewachsen zu sein. Besonders beeindruckt haben sie die Einblicke in Alltag und Arbeitsabläufe der tschechischen Partner. Sie erleichterten die Eingewöhnung und halfen ihr, sich nach und nach immer besser zurechtzufinden.

Das sieht Aiko Liebert, der gerade erst 17 Jahre alt war, als er nach Prag ging, ähnlich. Für ihn war es das erste Mal, dass er im Ausland war. Er sei weltoffener geworden, habe gelernt, sich in der zuvor unbekannten Umgebung zu behaupten, zum Beispiel während der zwei Wochen, die die Azubis in der Prager Verkehrsschule verbrachten. «Die Ausbildung in Tschechien findet komplett in der Schule statt. Das war spannend, weil wir bei uns ja das duale System haben», so Liebert. Fachlich konnte er in einige neue Bereiche wie die betriebliche Personalplanung und die Sparte U-Bahn hineinschnuppern.

Attraktivität der Ausbildung durch Auslandsaufenthalte steigern

Leitstelle der Verkehrspolizei Prag
© DVG

Für Kati Fach, Referatsleiterin Aus- und Weiterbildung bei den DVB, die das Projekt bereits seit 2007 begleitet, steht der Gedanke einer länderübergreifend vergleichbaren Ausbildung und gegenseitigen Anerkennung von Ausbildungsberufen im Fokus. Gerade das erweist sich aufgrund der unterschiedlichen Ausbildungssysteme häufig als schwierig und funktioniert nur, wenn die Berufsbilder einander ähnlich sind. In der Zusammenarbeit mit den Prager Verkehrsbetrieben kann Fach zudem auf eine lange Historie aufbauen. Schon seit den 1970er Jahren gibt es gegenseitige Besuche und einen fachlichen Austausch. Als dann 2006 die Idee der genzübergreifenden Zusammenarbeit in der Ausbildung aufkam, griff man darauf gerne zurück.

«Das Äquivalent zur Fachkraft im Fahrbetrieb ist in Prag der Operator», so Fach. «Hier haben wir angesetzt und den Austausch auf den Weg gebracht.» Ergebnis ist, dass heute nicht nur die sächsichen Azubis nach Prag gehen, im Gegenzug kommen die tschechischen Auszubildenden auch nach Dresden.

Das hat die Ausbildung insgesamt attraktiver gemacht und unterstützt zugleich die gute Nachbarschaft. Dazu noch einmal Kati Fach: «Dresden liegt dicht an der tschechischen Grenze. Ein großer Teil der Touristen, die zu uns kommen, sind Tschechen. Wenn ich mit der Kultur des Nachbarlandes vertraut bin und die Sprache verstehe, fördert das auch den Umgang miteinander.» Daher werden die jungen Leute gut auf den Aufenthalt vorbereitet. Neben Englisch spielt in der Berufsschule auch der Tschechisch-Unterricht eine wichtige Rolle. Vor Ort lernen die Azubis nicht nur die Verkehrsschule und den Praxisbetrieb kennen, im Rahmen eines umfassenden Gesamtprogramms befassen sie sich auch mit Land und Leuten, Kultur und Geschichte.

Der Europass - ein Plus für die Auszubildenden

Auszubildender der DVG erhält Europass Mobilität
© DVG

Zurück aus Prag, erlebt Kati Fach die Auszubildenden in der Regel erwachsener und selbstbewusster als zuvor. Manches bringen die jungen Leute zudem in ihren Alltag in Dresden ein. So ist es Teil der Abschlussprüfung, eine Umleitung auf der Strecke anzusagen – und zwar in zwei Sprachen. Das sind zwar in der Regel Deutsch und Englisch, es gab aber bereits Teilnehmende, die dies in Deutsch und Tschechisch machten. Für Fach ein Beleg, dass das Angebot gut angenommen wird.
 
Schon seit 2007 erhalten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Ende ihrer Ausbildung den Europass Mobilität, der aus Sicht von Kati Fach den Auslandsaufenthalt als Teil der Ausbildung nochmals aufwertet. Für sie ist der Europass «eine zusätzliche Auszeichnung, vor allem im Vergleich mit anderen Ausbildungsbetrieben». Er bescheinigt ein besonderes Kapitel der Ausbildung und dokumentiert die Kompetenzen, die dabei erworben wurden. Ein Dokument, auf das die jungen Leute sehr stolz sind, zumal es eine Bestätigung der eigenen Persönlichkeit ist.

Die DVB als Unternehmen gewinnen und binden auf diese Art und Weise Nachwuchskräfte. Innovative und verbindliche Angebote wie die Auslandspraktika steigern laut Kati Fach in jedem Fall die Attraktivität als Ausbildungsbetrieb. Das sehen auch die beiden Azubis so, die schon im Vorstellungsgespräch über den Prag-Aufenthalt informiert wurden, auch wenn sie seinerzeit noch etwas skeptisch waren, was da genau auf sie zukommen würde.