Nicht nur zur Urlaubszeit - Juli 2016

Als Auszubildende am internationalen Flughafen München arbeitete Sarah Savarino zwei Wochen lang am Airport La Valetta (Malta) - die Ergebnisse dokumentiert der Europass

Sommerzeit ist Reisezeit, in der das Leben an europäischen Flughäfen einmal mehr „brummt“. Doch die Airports sind nicht nur in den Ferienmonaten global ausgerichtet, für sie ist Internationalität Teil der Unternehmensstrategie. Um den damit verbundenen Herausforderungen gerecht zu werden, hat die Flughafen München GmbH ihre Internationalisierungsstrategie 2020 inklusive einer Mobilitätscharta erarbeitet. Das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle, leistet es doch einen wichtigen Beitrag zum Zukunftsbild des Flughafens und seinen Markenwerten. 

„Wir schicken unsere jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins Ausland, weil wir sie für das Internationale öffnen wollen“, erzählt Theresa Fleidl, Leiterin Konzernausbildung und Human Resources Marketing der Flughafen München GmbH. Ziel sei es, den Auszubildenden eine Möglichkeit zu bieten, um sich interkulturell und sprachlich weiterzuentwickeln. Ein Ansatz, der auch dem Unternehmen Vorteile bringe. So unterstreicht Fleidl: „Die Zeit im Ausland ist ein bedeutender Beitrag zur fachlichen und persönlichen Weiterentwicklung unserer Nachwuchskräfte. Zugleich erhöhen wir damit deren Bindung ans Unternehmen und unterstützen unsere Arbeitgebermarke sowie die internationale Positionierung und Vermarktung unseres Airports.“

Schon seit 1995 führen die Münchner Mobilitätsprojekte mit anderen europäischen Flughäfen durch, Theresa Fleidl zählte damals zu den Initiatorinnen der Idee. Neben festen Partnern wie Wien, Athen und La Valetta auf der Insel Malta gibt es immer wieder auch wechselnde Destinationen, aktuell beispielsweise Helsinki oder Kopenhagen. Die Auszubildenden können für zwei bis drei Wochen an einem der Partnerflughäfen mitarbeiten und dort Erfahrungen sammeln. Dabei knüpfen sie Kontakte, die laut Fleidl oft bis weit über das Ausbildungsende hinaus anhalten.

Ein gutes Beispiel ist Sarah Savarino, die im Dezember 2015 ein zweiwöchiges Praktikum in Malta machte und Anfang 2016 nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung als Kauffrau für Bürokommunikation am Flughafen München übernommen wurde. Die heute 19-Jährige erinnert sich gerne an die Zeit in Malta, die sie als „großes Geschenk“ empfunden hat. Dazu Savarino: „Mir hat die Arbeit in La Valetta sowohl fachlich als auch persönlich sehr viel gebracht. Man denkt vielleicht oft, dass Flughafen gleich Flughafen ist. Aber wenn Sie einen Riesenflughafen wie München (Anm.: Am Flughafen München arbeiten ca. 32.000 Menschen) mit der Situation in La Valetta im Dezember vergleichen, dann liegen schon Welten dazwischen.“

Savarino, die im Rahmen ihrer Hospitanz sogar Mitarbeiterbefragungen und Umfragen auswerten sowie Präsentationen für die Geschäftsleitung erstellen durfte, hat vor allem die familiäre Atmosphäre an ihrem Arbeitsplatz gefallen. Hinzu kam, dass sie ihr Englisch in Malta erheblich verbessern konnte. All dies hat sie selbstbewusster und „einen Kopf größer“ werden lassen. Malta habe nun einen festen Platz in ihrem Herzen berichtet sie, der nächste Besuch des Landes sei quasi schon in Planung.

Wie bei allen Erasmus+ Maßnahmen am Flughafen München wurden die Ergebnisse des Lernaufenthaltes auch bei Sarah Savarino im Europass Mobilität dokumentiert. Dies hilft einerseits, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren und ist andererseits eine gute Basis bei Bewerbungen. Savarino hält ein derartiges Zertfikat für sehr nützlich. Sie sagt: „Eigentlich ist der Europass sogar besser als ein Zeugnis, weil dort konkret benannt wird, was ich in Malta gemacht und welche Fähigkeiten ich erworben habe.“

Theresa Fleidl spricht in diesem Kontext gerne von einem „Bildungspass für unsere Auszubildenden“. Dieser wird auch als Auslandserfahrung in die Personalakte aufgenommen, die Auszubildenden erhalten das Dokument in einer schönen Mappe, die formal und öffentlichkeitswirksam im Rahmen einer Absolventenfeier überreicht wird. „Das ist stets auch eine Werbung für den Europass, da bei solchen Veranstaltungen sehr viele unterschiedliche Menschen zugegen sind“, betont Fleidl. Ihr Anliegen ist es, gerade den oftmals eher kleineren Tochtergesellschaften das Dokument näherzubringen, denn dort sei es im Sinne der Qualitätskontrolle noch wichtiger, dass die jungen Leute einen aussagekräftigen Nachweis ihrer Kompetenzen und Lernerfahrungen erhielten.

Das Angebot gilt grundsätzlich für alle Auszubildenden der Flughafen München GmbH. Die Nachfrage nach den Praktika bei den rund 300 Nachwuchskräften ist groß. Interessant ist dabei das Verfahren, nach dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgewählt werden. So wird die eine Hälfte der verfügbaren Plätze nach Leistung vergeben, die andere nach Losverfahren. Damit haben nicht nur die Top-Performer eine Chance.

Theresa Fleidl ist sich sicher, dass noch viele Nachwuchskräfte ihres Unternehmens die Gelegenheit zum Auslandsaufenthalt während der Ausbildung nutzen werden. Last but not least seien diese auch eine Art „Botschafter“, um die internationalen Netzwerke des Flughafens weiterzuflechten. Die Personalerin ist überzeugt davon, dass menschliche Kontakte diesbezüglich immer noch am stabilsten seien. „Die Zusammenarbeit ist sehr viel einfacher, wenn sich die Menschen kennen. Wir müssen Europa über die Menschen zusammenbringen, nicht nur über technische Netzwerke.“