„Wir wollen eine europäische Sportuniversität sein“ - Juli 2013

An der Deutschen Sporthochschule Köln wird Mobilität groß geschrieben – immer mit von der Partie: der Euopass

„Sport verbindet Menschen über Grenzen, Kulturen und Religionen hinweg“. Diese Botschaft, die das UNO-Jahr des Sports im Jahr 2005 begleitete, ist an der Deutschen Sporthochschule in Köln (DSHS) nahezu Programm. Hier haben das Thema Auslandsmobilität und damit auch der Europass eine große Bedeutung. Verantwortlich dafür ist das Europabüro, das den Studierenden die Möglichkeit bietet, für einen Studienaufenthalt oder ein Praktikum ins europäische Ausland zu gehen, zum Beispiel an eine der europaweit 42 Partnerhochschulen der DSHS.

„Wir möchten eine europäische Sportuniversität sein“, betont Dr. Karen Petry, stellvertretende Leiterin des Instituts für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung der DSHS Köln. Seit 1994 leitet sie das Europabüro der Hochschule und koordiniert die zahlreichen Mobilitätsaktivitäten. So wie immer wieder Studierende aus dem Ausland nach Köln kommen, möchte sie den eigenen Absolventinnen und Absolventen die Möglichkeit bieten, andere Hochschulen kennenzulernen und europäische Erfahrungen zu sammeln. Ein Ziel, für das die DSHS mit ihrem europäischen Netzwerk optimal aufgestellt ist. Was zu Beginn des ERASMUSProgramms 1987 mit drei Partnern begann, hat längst eine Dimension erreicht, die ihresgleichen sucht – es ist Teil der Erfolgsgeschichte, die die Sporthochschule in Sachen Mobilität schreibt.

Zu dieser Geschichte gehören auch Marie-Christin Scherer und Friederike Frost, die sich im Rahmen ihres Sportstudiums beide für einen längeren Auslandsaufenthalt entschieden haben. Während Frost von Herbst 2007 bis Sommer 2008 für einige Monate in Paris war, ging Scherer im Winter letzten Jahres für ein Semester an die Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck. Die 22-Jährige studiert im sechsten Semester Sportmanagement und -kommunikation und lernte die Möglichkeiten der Mobilität und des Europass erst über das Europabüro kennen.

Dass es dann gleich klappte mit dem Wunsch, für eine Zeit nach Innsbruck zu gehen, empfindet sie als großes Glück. Dazu Scherer: „Ich habe mich in Innsbruck von Beginn an wohlgefühlt. Auch wenn der fachliche Anspruch eher unter dem der Sporthochschule lag, so habe ich doch das Umfeld und die Möglichkeiten, die dieses bietet, ausgekostet. Ich fand es sehr spannend, dort auf andere Leute zu treffen und mit bislang unbekannten Realitäten konfrontiert zu werden. Das war für mich so etwas wie die Idee eines ,gelebten Europa’, selbst wenn die Sprache hier nicht die Herausforderung war.“

Friederike Frost hat ihr Studium mit Schwerpunkt Ökonomie und Management derweil bereits abgeschlossen. Die 28-Jährige arbeitet als wissenschaftliche Hilfskraft im Europabüro der DSHS. Von ihrem Frankreich-Aufenthalt ist ihr in erster Linie die Erkenntnis geblieben, dass es immer zu einer Erweiterung des eigenen Horizonts beitrage, sich in einer völlig neuen Umgebung zurechtzufinden. Sie persönlich sei an den Erfahrungen aus dieser Zeit gewachsen, wobei der größte Gewinn aus dem Auslandsstudium darin liege, eine neue Sprache zu beherrschen. Das habe ihr bis heute viele Türen geöffnet.

In ihrer aktuellen Tätigkeit legt sie großen Wert darauf, die Studierenden möglichst individuell zu beraten. „Wenn sie zu uns kommen, haben viele schon sehr klare Vorstellungen, andere wiederum sind noch ohne konkrete Idee und möchten einfach nur ins Ausland“, erklärt Frost. „Wir zeigen ihnen dann die Möglichkeiten auf – zum Beispiel, welche Universitäten es gibt oder ob vielleicht ein Praktikum besser geeignet ist für das, was die Leute wollen.“

Studierende bewerben sich mit dem Europass Lebenslauf

Ob Auslandssemester oder Praktikum –alle Studierenden, die sich für eine Mobilitätsmaßnahme an der DSHS bewerben, müssen den Europass Lebenslauf verwenden. „Die meisten nehmen das gerne an und freuen sich, dass es die Hilfe gibt“, berichtet Dr. Karen Petry, räumt zugleich aber ein, dass manche Bewerberinnen und Bewerber Probleme mit der standardisierten Vorlage haben. Die Dozentin benutzt das Dokument auch in ihren Lehrveranstaltungen, zum Beispiel im Seminar „Berufseinstieg“, das sie seit vielen Jahren im Bachelorbereich hält. Hier beschäftigen sich die Studierenden mit Fragen wie: Wer bin ich? Was mache ich? Und wo will ich hin? Der Europass Lebenslauf, so Petry, stelle diesbezüglich eine große Hilfe dar, gerade weil er dazu anrege, nicht nur über Qualifikationen, sondern gleichermaßen über Kompetenzen nachzudenken. Ein für den Hochschulbereich bedeutender Aspekt, zumal das kompetenzorientierte Denken in anderen Ländern bereits viel stärker ausgeprägt sei als in Deutschland.

Auch die tägliche Arbeit im Europabüro wird durch das Dokument erleichtert. „Bewerben die Leute sich mit dem Europass Lebenslauf, ist es leichter, eine Vergleichbarkeit herzustellen. Aufgrund der Vorgaben und Standards können wir sehr genau sehen, was die Einzelnen schon an Berufserfahrung haben und über welche Sprachkenntnisse sie verfügen“, unterstreicht Friederike Frost, die sich seinerzeit mit dem Dokument auf die Stelle im Europabüro beworben hat und nach wie vor von den Vorteilen des Europass Lebenslauf überzeugt ist.

Gleiches gelte ihrer Meinung nach auch für den Europass Sprachenpass, vor allem wenn es um Praktika im Ausland gehe. Da sich die eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse dort sehr übersichtlich und kompetenzorientiert darstellen ließen, empfehle das Europabüro den Studierenden das Dokument zur Darstellung ihrer Sprachkenntnisse.

Erfahrungen dokumentieren und weitergeben

Haben die Studentinnen und Studenten ihren Studien- oder Praktikumsplatz im Ausland erhalten, dann kommt der Europass Mobilität zum Tragen. Jahr für Jahr werden rund 40 dieser Dokumente vergeben – für Petry stellen sie eine geeignete Form dar, um die erworbenen Kompetenzen und Fähigkeiten entsprechend zu dokumentieren. „Ich denke, für die Studierenden bietet es die Chance, einen Nachweis zu erhalten, dessen Aussagekraft über die manchmal recht simpel gestrickten Zeugnisse hinausgeht“, sagt sie. Gerade bei späteren Bewerbungen könne dies von Vorteil sein.

Davon ist auch Marie-Christin Scherer überzeugt. Sie hat den Europass Mobilität gerade erhalten und hält es für nützlich, dass die „informellen Fähigkeiten und Kompetenzen“, die sie in ihrer Zeit in Innsbruck erworben hat, dort aufgeführt sind. Denn, so Scherer, wo bekomme man sonst schon einmal bescheinigt, wie stark man in Sachen Teamfähigkeit sei.

Dafür, dass letztlich auch der Abschluss an der Sporthochschule europaweit vergleichbar wird, sorgt das Diploma Supplement. Jeder, der an der DSHS seinen Abschluss macht, erhält die Erläuterung, die zeigt, wie der eigene Abschluss im europäischen Vergleich zu bewerten ist. Ein Vorgehen, das mit den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen eingeführt wurde und das das Profil der DSHS als Europäische Sporthochschule stärkt.

Die Erfahrungen aus den Mobilitätsaufenthalten der Studentinnen und Studenten werden im Europabüro währenddessen sorgfältig dokumentiert und aufbereitet. Die Studierenden können die entsprechenden Berichte als Informationsressource nutzen. Friederike Forst beschreibt das wie folgt: „Wenn jemand an einer Mobilitätsmaßnahme teilnehmen will, bringen wir ihn oder sie vorher mit denjenigen zusammen, die bereits dort waren. Die Studierenden sollen schließlich ihre Erfahrungen weitergeben – das ist Teil unseres Gesamtpakets.“

Manfred Kasper