Berufsbildung international: Ein Gewinn für alle Beteiligten

Renate Hildebrandt ist beim Autohaus B & K GmbH & Co. KG im norddeutschen Lüneburg verantwortlich für die Ausbildung und so etwas wie eine Botschafterin für das grenzüberschreitende Lernen in Europa. Seit etwa 10 Jahren macht sie sich gemeinsam mit dem Niedersächsischen Zentrum für Internationale Berufsbildung (NieZiB) stark dafür, dass die Auszubildenden des Unternehmens - angehende Kfz-Mechatroniker - durch ein Auslandspraktikum über den Tellerrand schauen können.

Sie hat in den vergangenen Jahren Auszubildende nach Frankreich, Italien und in die Niederlande entsandt und auch schon Praktikanten aus dem Ausland in den Betrieb in Lüneburg aufgenommen. In diesem Jahr nahm sie selbst an einer Ausbilderhospitation im italienischen Vicenza teil. Internationalität in der Berufsbildung ist ihr ein Herzensanliegen geworden – unter anderem auch deshalb, weil sie immer wieder beobachten konnte, wie positiv dies für die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, für Mitarbeitende im Betrieb und letztlich für das Unternehmen ist.

„Die Lehrlinge machen durch ein Auslandspraktikum einen großen Entwicklungsschritt und tragen die neuen Erfahrungen und den Stolz über das Geleistete in die Firma“, hat Hildebrandt beobachtet. Beim Autohaus B & K müssen Auszubildende keine Urlaustage nehmen und haben keinen Gehaltsabzug, wenn sie zu Lernzwecken mobil sein möchten – daran zeigt sich auch der hohe Stellenwert, den das Unternehmen Lernaufenthalten im Ausland beimisst. Auslandspraktika stehen bei den Auszubildenden des Unternehmens inzwischen hoch im Kurs: „Bereits zum Ausbildungsbeginn wird nachgefragt, ob ein Praktikum im Ausland möglich ist“, so Hildebrandt. „Bei uns steht diese Möglichkeit den motivierten und engagierten Auszubildenden im zweiten Ausbildungsjahr offen.“ Organisiert werden die Auslandsaufenthalte über das NieZiB, das Teil der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade ist. „Auslandspraktika und Ausbilderhospitation werden vom NieZiB so kompetent und liebevoll vorbereitet, das kann man selbst gar nicht leisten!“,  lobt Hildebrandt  die Anlaufstelle für alle Betriebe, Mitarbeiter und Auszubildenden im Kammerbezirk der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, die Interesse an internationaler Berufsbildung haben.

Doch nicht nur als entsendender Betrieb hat  das Autohaus B & K positive Erfahrungen gemacht – auch als aufnehmender Betrieb. Die gemeinsame Sprache war dann jeweils Englisch, ein Lexikon mit den wichtigsten Fachbegriffen leistete große Hilfe. „Insgesamt waren dies immer sehr teamstärkende Erfahrungen“, bilanziert Renate Hildebrandt. „Durch die gegenseitige Unterstützung, die Rolle als ‚Gastgeber‘ und auch gemeinschaftliche Unternehmungen am Wochenende haben die Auslandspraktikanten den Gemeinschaftsgedanken im Team sehr gestärkt.“
Nach diesen Erfahrungen lag es nahe, an einer vom NieZiB organisierten Ausbilderhospitation teilzunehmen, die 2016 im italienischen Vicenza stattfand. Die siebenköpfige interdisziplinäre Gruppe bestand aus Betriebsinhabern und Ausbildern für die Gewerke „Maler & Lackierer“, „KFZ-Mechatronik“, „Tischler“ und „Maßschneider“. Nach einem Vorbereitungstreffen erhielten die Ausbilderinnen und Ausbilder während der Hospitation in Vicenza einen Einblick in die Berufsbildung in Italien, sie trafen Schülerinnen, Schüler und Studierende, die anstrebten, in Deutschland eine Ausbildung zu machen und beantworteten ihre Fragen zum deutschen Bildungssystem, zu Ausbildungsinhalten sowie Betrieben und besuchten ihre deutschen Lehrlinge in den italienischen Praktikumsbetrieben. Auf diese Weise konnten sie Berufsbildung international erleben und den interessierten jungen Menschen in Vicenza Informationen geben, um vielleicht den Schritt ins Ausland zu wagen.

Sowohl Praktikanten als auch Ausbilder erhalten nach ihrer Mobilität einen Europass Mobilität, mit dem Lernaufenthalte im Ausland und Lernergebnisse bescheinigt werden. „Unsere Auszubildenden sind immer stolz auf ihren Europass Mobilität“, sagt Hildebrandt. Er sei Anerkennung für das, was sie gelernt haben – und für ihren Mut, sich auf Neues einzulassen und in einem anderen Land zu lernen. „Ihre“ Lehrlinge haben das, was sie im Ausland gelernt und erlebt haben, immer im Betrieb vorgestellt – das trage die Idee der Auslandsaufenthalte ins Team und wecke bei den Kolleginnen und Kollegen Interesse. „Man muss es am Leben halten!“, ist Hildebrandt überzeugt. Und sie fügt an: „Ich wünsche mir sehr, dass noch viele Auszubildende die Möglichkeit eines Auslandspraktikums nutzen und ihre Betriebe zu Hause mit neuen Erfahrungen und ihrem erweiterten Horizont bereichern.“