Europass Sprachenpass in der Praxis: So nutzen Anwender/-innen das Dokument

Wer Fremdsprachen spricht, kann bei einer Bewerbung punkten. Denn nicht nur fachliche Aspekte sind für den Erfolg im Berufsleben relevant – gerade auch Sprachkenntnisse erhöhen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erheblich. Mit dem Europass Sprachenpass ist es ganz leicht, Sprachkenntnisse richtig einzuschätzen und verständlich darzustellen. Anwender/-innen beschreiben, welchen Nutzen das Dokument bietet – für alle, die Sprachen lernen und sich bewerben.

Was heißt schon „ich spreche fließend Spanisch“ oder „mein Englisch ist perfekt?“ Mit dem Europass Sprachenpass lassen sich Sprachkenntnisse aussagekräftig und nachvollziehbar einstufen und dokumentieren. Für die Selbsteinschätzung verwendet der Sprachenpass ein Raster, das europaweit einheitlich ist und genau beschreibt, wie gut jemand eine Sprache verstehen, sprechen oder schreiben kann. So wird es kinderleicht, das Sprachniveau realistisch und für andere nachvollziehbar einzustufen. Zusätzlich zur Einstufung des Sprachniveaus kann angegeben werden, wann, wo und mit welchem Abschluss die Sprachkenntnisse erlangt wurden, etwa in Sprachkursen, durch den Kontakt mit Muttersprachlerinnen und -sprachlern oder im Rahmen eines Arbeits- oder Bildungsaufenthalts im Ausland.
„Der Europass Sprachenpass ist DAS Instrument, um Sprachkenntnisse differenziert und aussagekräftig darzustellen,“ so Uwe Kirschstein vom bfw – Berufsförderungswerk in Hamburg. Kirschstein setzt den Europass Sprachenpass seit Jahren im Bewerbungstraining ein. „Zusätzlich bin ich Ausbilder und Prüfer der Handelskammer Hamburg und motiviere angehende ‚Personaldienstleistungskaufleute‘ und ‚Geprüfte Personalfachkaufleute‘, die Europäischen Kompetenzstufen des Sprachenpass in die Personalauswahl miteinzubeziehen, sofern Sprachkenntnisse im Anforderungsprofil einer Vakanz genannt sind.“

Der Sprachenpass als pädagogisches Tool

Doch der Sprachenpass ist nicht nur eine aussagekräftige Selbsteinschätzung der Sprachkennnisse, sondern auch ein pädagogisches Instrument: Er regt dazu an, das eigene Niveau zu reflektieren und bildet Fortschritte beim Fremdsprachenerwerb ab. Aus diesem Grund wird er regelmäßig auch an Schulen und Sprachschulen eingesetzt. Sigrid Seibt, Lehrerin und Seminarbetreuerin an der Fachlichen Oberschule/Beruflichen Oberschule Scheyern, nutzt den Europass Sprachenpass regelmäßig für den Unterricht: „Der Europass Sprachenpass bietet Lernenden den Vorteil, sich mit ihren Sprachkenntnissen auseinanderzusetzen und ihre Fortschritte selbst zu reflektieren und zu dokumentieren. Dies fördert den bewussten Spracherwerb weit mehr, als wenn sie sich bei der Beurteilung nur auf eine Lehrkraft verlassen.“ Sie führt weiter aus: „Zudem geht der Sprachenpass weit über den Schulalltag hinaus, da er auch den privaten Spracherwerb mit einschließt sowie alle vorhandenen Sprachkenntnisse. So können zum Beispiel auch Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund ihre Zusatzkompetenzen dokumentieren und sich der Bedeutung bewusst werden, diese zu vertiefen und einzubringen.“

Sprachenpass schafft Bewusstsein für die eigenen Kompetenzen

Der Europass Sprachenpass orientiert sich an der Gestaltung des Europass Lebenslaufs. Ein Online-Editor führt die User intuitiv durch die Erstellung des Dokuments. Wie der Europass Lebenslauf ist auch der Sprachenpass jederzeit aktualisierbar und berücksichtigt Ergebnisse formalen, non-formalen und informellen Lernens.
Ber-IT, das Beratungszentrum für Frauen in Berlin, berät Frauen zu Beruf, Bewerbung und Web-Präsentation beim Wiedereinstieg in den Beruf und empfiehlt seit langem die Bewerbung mit den Europass-Dokumenten. „Unsere Bewerberinnen machen sich über Sprachkompetenz im beruflichen Kontext zunächst einmal wenig bis gar keine Gedanken“, betont Magdalene Lindner, Beraterin bei Ber-IT. Der Europass Sprachenpass ist für sie in diesem Kontext eine große Hilfe: „Er macht verschiedene Ebenen der Sprachkompetenz sichtbar und bringt die Frauen dazu, sich zu fragen, woher ihre Fähigkeiten stammen und was sie in Hinblick auf die berufliche Verwertbarkeit bedeuten.“ Das sei auch deshalb wichtig, da heute in den meisten Stellenausschreibungen Sprachkenntnisse verlangt werden. Wichtig ist laut Lindner die Lernergebnisorientierung des Sprachenpasses, der nicht nur Ergebnisse formalen Lernens darstellt: „Indem der Sprachenpass deutlich macht, dass es etwas Anderes als eine rein auf Benotungssystemen beruhende Kompetenz gibt, leistet er einen wesentlichen Beitrag zur Darstellung der angewandten Kompetenz im beruflichen Kontext.“

Hier geht es zum Online-Editor für den Europass-Sprachenpass.